Yvonne Marzinke auf Trainigslager in Südafrika

Der Süden ruft nach mir

Eine gute Planung und eine ausgezeichnete Vorbereitung sind das A und O auf meinem Weg zu den Paralympics in Tokio – was aber nicht heißt, dass man nicht auch manchmal sehr spontan sein muss. So ging es mir jedenfalls heuer in Bezug auf meine Trainingslager. „Wohin und mit wem?“, waren die Fragen. Denn die Salzburger Triathleten aus Rif/SSM (Salzburgs Nachwuchsleistungsmodell) waren schon fleißig auf Fuerteventura, während ich in Kanada die Bahn-Weltmeisterschaft gefahren bin. Der Zug war also quasi schon abgefahren. Und zwei Wochen alleine auf Trainingslager wären eine echte Herausforderung für die Motivation und damit alles andere als mein Traum. Doch Moment, meine ehemalige deutsche Teamkollegin Denise Schindler würde mit einer Kollegin wieder nach Südafrika fliegen … Das wäre doch die Idee, sich ihr anzuschließen! Kurzerhand – Geri, würde das passen?

Mit seinem OK, brach dann mal kurz der Wahnsinn aus, schließlich muss ja nicht ein wenig Urlaubsgepäck organisiert werden, sondern ein bisschen mehr. Essen, Klamotten, Ersatzmaterial, alle Garmin-Geräte, der PC und nicht zu vergessen: alle Ladegeräte und natürlich die Adapter für Südafrikas Steckdosen. Zum Glück gibt es supergute und einfach zu handhabende Radkoffer. Aber wie immer lautet das Motto: Bloß nichts vergessen …

Und wenn man denkt, das unter Kontrolle zu haben, steht man schon vor der nächsten Herausforderung: Und wie viel wiegt mein halbes Leben, das ich eingepackt habe, denn nun? Und werden die am Flughafen alles, was eingecheckt wurden, auch mitnehmen?

Durchatmen

Einen Tag später konnte ich endlich durchatmen und abheben. Ich hatte noch denselben Flug ergattert und so saß ich am 3. März um 19 Uhr in der Maschine von München nach Kapstadt. Allerdings in anderer Begleitung als gedacht. Wir waren dann nicht zu dritt, sondern zu zweit. Denise konnte die Reise leider nicht antreten.

Trainingslager Südafrika 03.03. – 18.03.2020

Yvonne Marzinke auf Trainigslager in Südafrika

Endlich am Ziel! Ja, sie haben alles mitgenommen und das Wichtigste: Es kam auch alles heil an. Juhu! Von Kapstadt ging es mit dem Auto schließlich 40 Minuten nach Stellenbosch in ein Wohnviertel ein wenig außerhalb des Zentrums. Apropos Auto, wir hatten nicht an eine Automatik gedacht … Unser Fehler, denn da in Südafrika Linksverkehr gilt, sind die Autos natürlich auch für unsere Verhältnisse „verkehrt herum“ gebaut. So konnte ich mit meinem lahmen linken Arm nicht Schalten und das bedeutete Autofahren war für mich hinfällig – wieder was gelernt fürs nächste Mal.

Auf meinem Plan stand dann ein richtig straffes Programm, doch die Trainingsbedingungen waren perfekt und wir hatten ein Traumwetter – das letzte große Trainingslager vor Tokyo war eine Wucht! Am Ende konnte ich 44 Stunden, über 11.000 Höhenmeter und rund 850 Kilometer verbuchen und wirklich unglaublicherweise nur einen Patsch’n. Dafür viele Steaks und perfekte Regeneration dank Terrasse und Pool. Das Kap der guten Hoffnung wie auch die Pinguine kenne ich nur von Bildern und Erzählungen von Steffi, denn ich war ja nicht auf Urlaub, sondern zum Arbeiten dort. Das Ziel, ein gutes und umfangreiches Training für Tokyo zu absolvieren, ist auch perfekt gelungen.

Und dann kam Corona

Die letzten drei Tage unseres Aufenthalts waren dann doch geprägt von Corona und einer gewissen Unsicherheit. Wobei man sagen muss, dass in Südafrika noch nichts zu merken war. Das Leben lief noch völlig normal.  Zusätzlich waren wir durch viele Stromausfälle auch oft komplett von allem abgeschnitten. Dennoch war ich dann froh, als ich mit meinem regulär geplanten Flug am 18.3. nach Hause fliegen durfte. Direkt in die große Unsicherheit, wie jetzt alles weitergehen wird …

Yvonne Marzinke auf Trainigslager in Südafrika